Was macht es so reizvoll, Kontrolle bewusst aus der Hand zu geben? Warum erleben manche Männer gerade im Ausgeliefertsein, in Fesselung, Sinnesentzug oder anderen Formen des Kontrollverlusts eine besondere Intensität von Lust, Vertrauen und Nähe?
Dieser Workshop lädt dazu ein, diesen Fragen in einem geschützten und wertschätzenden Rahmen nachzugehen. Er richtet sich an Männer, die neugierig auf diese Formen sexueller Erfahrung sind – unabhängig davon, ob sie sich selbst im BDSM- oder Fetischkontext verorten oder einfach den Wunsch kennen, sich einmal ganz fallen zu lassen, Verantwortung abzugeben oder neue Seiten ihres Begehrens zu entdecken.
Im Mittelpunkt steht das eigene Erleben. Praktische Übungen, gemeinsamer Austausch und fachliche Impulse eröffnen einen Erfahrungsraum, in dem Lust, Neugier und Selbstreflexion gleichermaßen Platz haben. Dabei geht es nicht darum, Grenzen zu überschreiten, sondern sie bewusst wahrzunehmen, zu kommunizieren und innerhalb eines sicheren Rahmens spielerisch zu erkunden.
Der Workshop vermittelt Grundlagen zu Konsens, Kommunikation und Risikokompetenz und bietet Gelegenheit, unterschiedliche Formen des sicheren Kontrollverlusts kennenzulernen und ihre persönliche Bedeutung zu erforschen. Die praktischen Einheiten umfassen unter anderem Wahrnehmungs- und Körperübungen, sensorische Deprivation, anatomisch sichere Formen von Fixierung sowie Übungen zum bewussten Erleben und verantwortungsvollen Umgang mit Kontrollverlust. Alle Übungen erfolgen freiwillig, einvernehmlich und orientieren sich jederzeit an den individuellen Grenzen der Teilnehmenden.
Der Referent bringt langjährige Erfahrung in der Begleitung intensiver Selbsterfahrungsprozesse sowie fundierte Kenntnisse zu psychischen und körperlichen Dynamiken dieser Praktiken mit. Diese Expertise bildet den Hintergrund für einen Seminarrahmen, der intensive Erfahrungen ermöglicht und rahmt.
Programmablauf
Freitag: Ankommen – Vertrauen schaffen – Den Erfahrungsraum öffnen
- Begrüßung, Vorstellung, Kennenlernen
- Gemeinsamer Seminarvertrag für einen geschützten Erfahrungsraum: Konsens, Freiwilligkeit, Vertraulichkeit, Stopp- und Notfallsignale
- Etablierung des Settings: Austausch über Erwartungen (Was meinen wir mit „Lust am sicheren Kontrollverlust“?), Differenzierung zwischen Nicht-Einvernehmlichkeit und gespielter Nichteinwilligung (Consensual Non-Consent), Freigabe der individuellen (Ent-)Kleidungswahl
- Körper-, Wahrnehmungs- und Vertrauensübungen
Samstag: Verstehen – Sich einlassen – Erproben
Vormittag: Kontrollverlust erforschen
- Welche Formen von Kontrollverlust gibt es? – Vorstellung und Einordnung verschiedener Spielarten (Bondage, TPE, Vakuumierung, Breath Control/Atemreduktion, invasive Techniken)
- Sicherheit, Risikokompetenz und Verantwortung: z.B. hypoxische Risiken bei Atemreduktion, neurologische Kompressionssyndrome bei Fixierungen sowie strafrechtlich relevante Aspekte bei substantiellen Körperverletzungen
- Die Psychodynamik des Kontrollverlusts: Innere Skripte und emotionale Nachwirkungen intensiver Erfahrungen (z.B. „Sub-Drop“)
- Einführung in sensorische Deprivation und Fixierung: risikoarme, hoch-erotische Selbsterfahrung durch Augenbinden und Earplugs
Nachmittag: Kontrollverlust sicher erleben
- Anatomisch sichere Fixierungen: Praktisches Erlernen hämatologisch und neurologisch unbedenklicher Grundknoten zur Vermeidung von Nervenkompressionen (z.B. Schutz des Nervus radialis)
- Reflexion: Vertrauensbildung, Erlaubnisgebung und Wahrnehmung eigener Grenzen: Wie erkenne ich meine eigenen Grenzen? Wann wird Hingabe lustvoll? Wie unterscheiden sich Überforderung und gewünschte Intensität?
- Umgang mit Safe Words und Sicherheitsmaterial
Abend: Offener Erlaubnis- und Erfahrungsraum
- Erprobung einvernehmlicher Settings des Kontrollverlusts in Zweier- oder Kleingruppen-Konstellationen bis an die vereinbarten Grenzen unter Beachtung der erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen und unter Begleitung der Seminarleitung
- Austausch über persönliche Erfahrungen, Wünsche und Fantasien
Sonntag: Erfahrungen integrieren – Orientierung gewinnen – Bewusst abschließen
- Aftercare-Methodik: Strukturierte Anwendung von Übergangsritualen zur De-Eskalation des Nervensystems, zur Stabilisierung des Egos und zur sicheren Schließung des Erlaubnisraums
- Integration und Transfer in die eigene Sexualität / Reflexion der individuellen Lernkurve: Welche Situationen haben mich überrascht? Welche Grenzen habe ich neu entdeckt oder ausgelotet? Welche Wünsche sind deutlicher geworden?
Teilnahmevoraussetzungen / Zielgruppe
- Der Workshop richtet sich an Männer, die Lust haben, sich neugierig und verantwortungsvoll mit dem Thema Kontrollverlust und Machtverzicht in einem reflektierten Raum auseinanderzusetzen.
- Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Offenheit für praktische Übungen sowie die Bereitschaft, die eigenen Grenzen und die Grenzen anderer respektvoll zu achten, werden vorausgesetzt.
- Der Workshop ist offen für alle schwulen, bisexuellen und queeren Männer, die bei ihrer Geburt dem männlichen Geschlecht zugeordnet wurden. Die praktischen Übungen des Seminars bauen auf einer gemeinsamen körperlichen Bezugsebene auf. Diese bildet die Grundlage für gegenseitige Spiegelung, Orientierung und gemeinsames Lernen. Das Waldschlösschen gestaltet seine Erfahrungsräume je nach Thema mit unterschiedlichen methodischen Konzepten. Während einige Seminare ausdrücklich transinklusiv angelegt sind (z.B. "Den Körper bewohnen"), gehört die gemeinsame körperliche Bezugsebene bei diesem Workshop zum pädagogischen Konzept.
Organisatorische Hinweise
- Kleidung: Dem Konzept des geschützten Erlaubnisraums entsprechend steht den Teilnehmern die Kleidungswahl (inklusive vollständiger Entkleidung oder szenetypischer Gear) vollkommen frei. Bitte bequeme Kleidung mitbringen.
- Spielzeug & Werkzeug: Eigene Fesselutensilien (Seile, weiche elastische Binden), Augenbinden und Earplugs sollten mitgebracht werden, falls vorhanden ebenso persönliche Sicherheitswerkzeuge (z.B. medizinische Gurtschneider).
- Hygiene- & Gesundheitsanforderungen: Vorausgesetzt wird eine lückenlose gegenseitige Respektierung der vereinbarten Limits. Zum Schutz aller Akteure gelten strikte Hygienestandards (Sorgfalt in der eigenen Körperhygiene, Desinfektion von Händen und Materialien vor/nach körperlichen Interaktionen).
- Nicht gestattet ist die Verwendung von Substanzen jeglicher Art wie Poppers oder Viagra-Varianten sowie Alkohol oder Drogen.
- Zum Schutz der Privatsphäre ist das Mitführen von Handys und Kameras jeglicher Art in den Seminarräumlichkeiten untersagt.
- Der Workshop kann intensive Reaktionen hervorrufen. Die traumatherapeutische Supervision ist Bestandteil des Gesamtdesigns und kann bei Bedarf jederzeit im Raum genutzt werden, um unmittelbar auftretende psychische Dynamiken zu steuern.
Referent*innen
Pädagogische Leitung
Kontakt:
-
Liam Bennhoff, liam.bennhoff@waldschloesschen.org, Telefon: 05592 9277 29
Freitag 18:00 Uhr bis Sonntag 14:00 Uhr
Lust am sicheren Kontrollverlust – Ein Erlebnis- und Erfahrungsraum für Männer
VA-Nr. 27-199
Teilnahmebeitrag 375 €
Es steht ein begrenztes Kontingent an Einzelzimmern gegen einen Aufpreis von 12 € pro Nacht zur Verfügung (Verfügbarkeit vorausgesetzt, siehe Hinweis im Buchungsprozess).
Ihre Daten werden sicher via SSL-Verschlüsselung übermittelt.

