Ob in öffentlichen Debatten, sozialen Medien oder im alltäglichen Miteinander: Diskussionsstile werden zunehmend von Polarisierung, Desinformation und manipulativer Rhetorik geprägt. Subtile Abwertungen, Verdrehungen und Hatespeech prägen Kommunikationssituationen, die häufig als „toxisch“ erlebt werden und Konfliktverläufe hervorrufen, die – im wahrsten Sinne des Wortes – sprachlos machen.
Nicht nur in sozialen Medien, sondern häufig auch im persönlichen Gespräch scheint ein verletzender Tonfall zur Normalität geworden zu sein, der hetzt, spaltet und gegeneinander aufbringt. Die Neigung zu Unterstellungen, Projektionen und vorschnellen Interpretationen lassen Menschen in Urteilen, Vorwürfen und Anschuldigungen denken. Digitale Kommunikationsräume können solche Dynamiken durch algorithmische Verstärkung und gezielte Desinformationskampagnen zusätzlich fördern und lassen die gesellschaftliche Spaltung in ihren medialen Echokammern eskalieren.
Dieser 5-tägige Bildungsurlaub eröffnet einen bewussten Ausstieg aus festgefahrenen Kommunikationsmustern und den oft lähmenden Reaktionsspiralen konflikthafter Debatten.
Ziel des Workshops ist es nicht, Konflikte durch „nettes Weichspülen“ um jeden Preis zu vermeiden oder durch einen verbalen Schlagabtausch aufrecht zu erhalten, sondern sich durch frühzeitiges Erkennen rabulistischer (d.h. scheinlogischer und manipulativer) Argumentationsmuster aus den Automatismen befreien zu können, die lediglich emotionale Reaktionen ermöglichen. Stattdessen bietet die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) nach Marshall B. Rosenberg einen entwaffnenden Gegenentwurf, der dabei hilft sich aus der entmündigenden Sprachlosigkeit zu befreien.
Besondere Aufmerksamkeit gilt Kommunikationssituationen, in denen Menschen aufgrund sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität oder anderer Merkmale Diskriminierung erfahren.
Theorieimpulse wechseln sich mit der Analyse konkreter Kommunikationssituationen, praktischen Übungen, Rollenspielen und der Reflexion eigener Erfahrungen ab. Die Teilnehmenden erproben Strategien für einen souveränen Umgang mit Konflikten und übertragen die Erkenntnisse auf ihren privaten, gesellschaftlichen oder beruflichen Alltag.
Programm im Überblick
1. Tag: Die Anatomie der Überflutung
- Grundlagen der Kommunikationspsychologie
- Mechanismen kognitiver Verzerrungen
- Analyse von Desinformation, Fehlinformation und Propagandastrategien
- Medienlogiken, Meinungsbildung und öffentliche Diskurse
- manipulative Diskussionsfallen in Medien und Internet
2. Tag: Das rabulistische Arsenal
- Konflikt- und Eskalationstheorien
- Erkennen der manipulativen Stilmittel unfairer Rhetorik mittels des P.L.U.R.V.-Modells
- Erkennen und Umschiffen von manipulativen Diskussionsfallen, Unterstellungen und Projektionen
3. Tag: Der Wendepunkt
- Taktische und deeskalierende Gegenstrategien gegen verbale Angriffe, Hatespeech und digitale Eskalationen
- Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg, Merkmale gewaltvoller versus gewaltfreier Kommunikation
- Differenzierung zwischen eigener Wahrnehmung, der Interpretation von Fakten, Framing und Narrativbildung
4. Tag: Echt sein statt nett sein
- Gefühle wahrnehmen und gewaltfrei ausdrücken
- Bedürfnisorientiertheit versus Strategiedenken
- Verantwortungsübernahme und engagiertes Eintreten für deren Erfüllung
5. Tag: Wortgewaltig in den Alltag – sich dem anderen mitteilen
- Formulierung konkreter Bitten statt versteckter Forderungen
- Kritik, Bedauern und Ärger klar und respektvoll vertreten
- die eigene Haltung und Identität im Alltag authentisch vertreten
Die Seminartage werden aufgelockert durch Elemente von Autogenem Training oder Tiefenentspannungshypnosen (je nach Wunsch). Hierfür bitte bequeme Kleidung mitbringen.
Zielgruppe:
Dieses Seminar richtet sich an alle Menschen, die im privaten, gesellschaftlichen oder beruflichen Alltag mit polarisierenden Diskursen und verletzender Sprache konfrontiert sind und nach wirksamen, wertschätzenden Gegenstrategien suchen. Es ist so konzipiert, dass es die spezifischen Kommunikationsdynamiken, Mikroaggressionen und Herausforderungen im Kontext von LSBTIQA* aufgreift und reflektiert. Gleichzeitig ist das Seminar offen für alle Interessierten, Verbündeten (Allies) und Fachkräfte außerhalb der LSBTIQA*-Community, die eine vorurteilsfreie, empathische und wehrhafte Kommunikationskultur aktiv mitgestalten und als Friedensstiftende wirken wollen.
Das Seminar ist ideal für:
- Pädagogische, therapeutische und soziale Fachkräfte (z.B. Lehrkräfte, Erzieher*innen, Heilpraktiker*innen, Berater*innen), die Dynamiken von Hatespeech und Diskriminierung im Berufsalltag deeskalieren und Betroffene stärken wollen.
- Multiplikatoren und Engagierte in Organisationen, Behörden, Vereinen, Parteien oder sozialen Einrichtungen, die im direkten Kontakt mit Kund*innen oder in der Öffentlichkeitsarbeit stehen.
- Menschen am Arbeitsplatz, die „toxische“ Kommunikationsmuster im Team auflösen und Reibungsverluste in ein gesundes, wertschätzendes Betriebsklima verwandeln möchten.
- Privatpersonen und Interessierte, die ihre sprachliche Resilienz erhöhen, manipulative Gesprächsfallen im Alltag umschiffen und für ihre eigenen Werte und Identitäten konsequent, echt und leidenschaftlich eintreten wollen.
Methoden:
Vortrag – Präsentation – Gruppengespräch – Kleingruppenarbeit – Filme – experimentelle Kreativität
Vorkenntnisse:
Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich.
Referent*innen
Pädagogische Leitung
Kontakt:
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Liam Bennhoff, liam.bennhoff@waldschloesschen.org, Telefon: 05592 9277 29
Montag 14:30 Uhr bis Freitag 15:30 Uhr
Sprechfähig bleiben in konflikthaften Debatten – Manipulative Kommunikation erkennen und mit Gewaltfreier Kommunikation konstruktiv reagieren
VA-Nr. 27-221
Early-Bird-Preis (bis 01.12.2026) 609 €, Regulärer Teilnahmebeitrag 675 €
Es steht ein begrenztes Kontingent an Einzelzimmern gegen einen Aufpreis von 12 € pro Nacht zur Verfügung (Verfügbarkeit vorausgesetzt, siehe Hinweis im Buchungsprozess).
Ihre Daten werden sicher via SSL-Verschlüsselung übermittelt.

