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Braver Space

In der Akademie Waldschlösschen ist es uns ein Anliegen, einen Braver Space (ermutigenden Raum) zu schaffen.

Die Akademie Waldschlösschen ist ein Ort der Bildung und Begegnung, der auf Basis von Menschenrechten und Demokratie auf eine diskriminierungsfreie und inklusive Gesellschaft hinarbeitet. Dabei sehen wir unsere Hauptaufgabe in der Unterstützung von gesellschaftlich benachteiligten Gruppen, insbesondere des Empowerments von LSBTQIA*-Personen, HIV-positiven Personen und ihren Communities. Zudem wollen wir gesellschaftliche Wandlungsprozesse voranbringen, indem wir gemeinschaftlich mit anderen Organisationen, Gruppen und Aktivist*innen in die Dominanzgesellschaft hineinwirken. Als Tagungshaus heißen wir auch Gastgruppen außerhalb unserer Communities zum Leben und Lernen unter einem Dach willkommen.

Wir sind uns bewusst, dass (queere) Menschen in unterschiedlichen Kontexten leben und verschiedene Meinungen, Herangehensweisen und Perspektiven mitbringen. Menschen sind geprägt durch individuelle Erfahrungen, Erziehung und ihre gesellschaftliche Sozialisation. Im Sinne einer pluralen Demokratie möchte die Akademie Waldschlösschen Räume der Bildung und Begegnung ermöglichen.

Als Bildungs- und Tagungshaus mit einem Schwerpunkt zu sexueller, romantischer und geschlechtlicher Vielfalt und Leben mit HIV arbeiten wir in dem Bewusstsein, dass verschiedene Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit auch in unseren Räumen noch reproduziert werden. Gruppenbezogene Formen von Menschenfeindlichkeit, aber auch Privilegien können resultieren aus: sexueller und romantischer Orientierung, Geschlecht, HIV-Status, Alter, Behinderungsstatus, Aussehen, rassistischen Zuschreibungen, Ethnie, Aufenthaltsstatus, Religion und Weltanschauung, Nationalität, Bildungsstatus, Arbeit, ökonomischem Kapital, kulturellem Kapital und diversen anderen Zuschreibungen, Identitäten und weiteren individuellen Merkmalen. Wir halten uns und unsere Gäst*innen dazu an, im kritischen Bewusstsein der eigenen Privilegien zu handeln und einander zu begegnen.

Nach unserem Verständnis folgt daraus, dass es keine Safe Spaces (sichere Räume) geben kann. Daher wollen wir gemeinsam mit euch das Waldschlösschen zu einem Braver Space gestalten. Braver Spaces sind Räume mutigen Lernens, „in denen wir zwar Verletzungen manchmal nicht verhindern können, aber darauf vertrauen können, dass es die Bereitschaft und erprobte Formen dafür gibt, sich kollektiv mit diesen Erfahrungen auseinanderzusetzen“ (Koktis/Thuswald 2015:92). Solche Räume können den Dialog fördern – insbesondere zu herausfordernden Themen. Gespräche über Diversität, Gerechtigkeit und Inklusion sind nicht immer bequem und können es auch nicht sein, wenn wir uns wirklich herausfordern wollen, um unsere Sichtweisen zu erweitern.

Um solch einen Raum zu ermöglichen, ermutigen wir euch die folgenden Punkte zu berücksichtigen:

  • Jede Person bemüht sich darum, ein Bewusstsein über die eigenen Vorurteile, Annahmen, Intentionen und
    Voreingenommenheit zu schaffen. Dabei ist die eigene Selbstreflexion besonders wichtig.
  • Jede Person behält Offenheit gegenüber Neuem und hat den Willen zuzuhören, zu lernen und zu verstehen.
  • Jede Person erkennt die Lebensrealitäten, Stärken und Beiträge der anderen an und wertschätzt sie.
  • Jede Person übernimmt Verantwortung für ihr eigenes (Un-)Wissen, Lernen und Handeln.
  • Jede Person hinterfragt nur Ansichten – nicht Menschen.
  • Jede Person erlebt Situationen unterschiedlich – das bedeutet, jede Person versucht,
    in „sowohl als auch“ statt „entweder oder“ zu denken.

Wenn es dennoch zu Verletzungen kommt, möchten wir euch dazu ermutigen, aufeinander zuzugehen, sie anzusprechen und darüber ins Gespräch zu kommen. Dabei erfordert es auch Mut, sich verletzlich zu zeigen und Feedback anzunehmen. Wenn euch das alleine nicht möglich ist, unterstützt euch das pädagogische Team gerne dabei.

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, das Konzept zu lesen und an der gemeinsamen Umsetzung mitwirkst.

 

 

 

Quelle: Koktis, Maya Joleen / Thuswald, Marion (2015): gleich sicher? sicher gleich? Konzeption (queer) feministischer Schutzräume. In: Femina Policia 24 (1), 83-93.